Die deutsche Schrift, Heft 2/1999 (130. Folge), Seite 218-223

 

Harald Süß

Herbert Post - Schriftkünstler und Lehrer aus Berufung

 

Wer in die „Schreiberwerkstatt” von Prof. Rudolf Koch in Offenbach aufgenommen wurde, durfte sich glücklich schätzen. Nur besonders begabten Schreibern wurde diese Ehre zuteil. Einer dieser wenigen Berufenen war Herbert Post.

Herbert Max Otto Post - wie er mit vollem Namen hieß - wurde am 13. Januar 1903 in Mannheim geboren und wuchs in einer betont musikalischen Familie (sein Vater war Musiklehrer und Konzertmeister) auf. Die Welt der Töne bestimmte seine Kindheit, und er äußerte später die Hoffnung, daß sich diese Musikalität in seinen Buchstaben fortgesetzt habe. Sein Zeichenlehrer an der Oberrealschule erkannte Posts Fähigkeiten und förderte seine künstlerischen Neigungen, sodaß er beschloß, Maler und Graphiker zu werden.

Zunächst erlernte er von 1920 bis 1922 das Buchdruckerhandwerk, da ein einjähriges Praktikum in einem graphischen Betrieb Bedingung für die Aufnahme in die Kunstgewerbeschule war. Neben seiner Lehre besuchte Post Schriftlehrgänge, nahm Unterricht im Zeichnen und hörte Vorlesungen über Kunstgeschichte. Rudolf Koch, bei dem er anfangs nur am Nachmittagsunterricht teilnahm, holte ihn noch 1922 in seine Meisterklasse, die „Schreiberwerkstatt”, die elf Plätze umfaßte und nur den Begabtesten offenstand.

Post, der inzwischen seine Lehre erfolgreich abgeschlossen hatte, fand 1923 eine Anstellung als Akzidenzsetzer in der Bauerschen Gießerei, wo er vor allem mit Schriftproben befaßt war und die Entstehung der „Weiß-Antiqua” und der „Futura” erlebte. Mit dem beruflichen Wechsel zur Münchner Buchdruckerei R. Oldenbourg endete auch Posts Tätigkeit in der „Schreiberwerkstatt”. Rudolf Koch bescheinigte seinem Schüler außerordentliche Fähigkeiten beim Schriftschreiben als auch -gestalten und bezeichnete ihn als „einen der Besten, die aus meiner Schulwerkstatt hervorgegangen sind”. Post blieb seinem Lehrer und den Mitschülern der Offenbacher Werkstatt, zu denen auch Kochs Sohn Paul gehörte, Zeit seines Lebens herzlich verbunden.

1926 traf Post eine Entscheidung, die das nächste Vierteljahrhundert seines Lebens bestimmen sollte: Er folgte dem Ruf von Paul Thiersch, dem Leiter der Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein in Halle an der Saale, der ihm eine Stelle in der Buchdruckerwerkstatt seiner Lehranstalt angeboten hatte. Sie zählte zu den führenden Ausbildungsstätten ihrer Art in Deutschland und besteht auch heute noch. Nachdem Herbert Post 1927 seine Meisterprüfung abgelegt hatte, übernahm er 1930 die Leitung der Druckerei und der Schriftklassen. Post stand den damaligen neusachlichen Gestaltungsgrundsätzen durchaus offen gegenüber und verstand es, sie mit der bei Rudolf Koch erfahrenen Werklehre in Einklang zu bringen. Das Vorbild des nahen Bauhauses in Dessau wirkte anregend, doch beschritt man auf der „Burg” eigene Wege.

Neben seiner Lehrtätigkeit begann Post auch mit der bibliophilen Herausgabe von Gedichten oder Texten der Klassiker, aber auch Werken der Gegenwartsliteratur und gründete den „Verlag der Werkstätten”. Über 150 Bücher, Hefte und Broschüren und mindestens ebenso viele Einblattdrucke entstanden während Posts Schaffen auf Giebichenstein.

Ab 1932 begann Post auch Satzschriften zu entwerfen, denen in der Folge ein eigener Abschnitt gewidmet ist.

Das Jahr 1933 brachte einschneidende Änderungen: Die freikünstlerischen Klassen mußten geschlossen werden und Post drohte zunächst die Entlassung. Schließlich durfte er aber doch an der Schule bleiben und auch der Weg an die Front blieb ihm erspart, da seine Vorgesetzten immer wieder erfolgreich seine Freistellung beantragten. Post machte aus seiner Ablehnung des Nationalsozialismus kein Hehl und bemühte sich auch erfolgreich, in Schwierigkeiten geratenen Schülern und Freunden zu helfen. Außerdem druckte er Texte unerwünschter Verfasser wie Werner Bergengruen, Reinhold Schneider oder Hermann Hesse und verwendete nach dem Schrifterlaß von 1941 herausfordernd bei seinen Drucken die „Post-Fraktur”.

Nach Kriegsende hatte sich kurzfristig ein freier kultureller Geist auf der „Burg” entfalten können, der aber schnell durch die den Sowjetbesatzern hörige Regierung geknebelt wurde. So bekam Post, der immer seine Kritik offen äußerte, auch mit den neuen Machthabern bald Schwierigkeiten. Ab 1947 reifte daher in ihm der Plan, sich nach einer neuen Wirkungsstätte im „Westen” umzusehen und entschied er sich 1949, der Berufung an die Werkkunstschule in Offenbach/Main zu folgen. Die Übersiedlung war noch nicht abgeschlossen, als Post im April 1950 aus dem „Arbeiter- und Bauernparadies” flüchtete, nachdem er von seiner bevorstehenden Verhaftung erfahren hatte.

Als Koch-Schüler war Post in Offenbach besonders willkommen und er eroberte sich wieder rasch das Vertrauen und die Zuneigung seiner Studenten. Seine Lehrmethode, niemandem seinen Stil aufzuzwingen, sondern aus dem Schreiben heraus ein sicheres Gefühl für Maße, Proportionen und Formen beizubringen, wandte er auch an der Werkkunstschule wieder mit Erfolg an. 1953 gründete er die „Herbert-Post-Presse”, mit der er die Tradition der Giebichensteiner Drucke fortsetzte und die zu den ersten vier nach dem Zweiten Weltkrieg neu ins Leben gerufenen Privatpressen gehörte.

Post wirkte nur sechs Jahre in Offenbach, dann folgte er 1956 dem Ruf an die Akademie für das graphische Gewerbe in München. Das Amt eines Direktors der „Meisterschule für Deutschlands Buchdrucker”, das Post dort als Nachfolger von Paul Renner und Georg Trump übernahm, bürdete ihm viel Verwaltungskram auf, der ihn immer wieder von seiner eigentlichen künstlerischen Arbeit abhielt. Zudem kämpfte er entschieden gegen die damals einsetzenden Bestrebungen, im Zuge der Technisierung der Akademie den künstlerischen Unterricht einzuschränken oder gar abzuschaffen und warb auf Tagungen und mit Vorträgen für seine Ansichten. Gesundheitliche Schwierigkeiten, verbunden mit dem Gefühl, seinen Einfluß auf die Schule nicht mit der ihm erforderlich scheinenden Folgerichtigkeit ausüben zu können, veranlaßten Post, im Herbst 1967 sein Amt zurückzulegen und im Frühjahr darauf in den Ruhestand zu treten.

Bereits neben seiner beruflichen Tätigkeit war Post immer tätiges Mitglied verschiedener, meist bibliophiler Vereinigungen gewesen. 1958 wurde er zum Vorsitzer des „Bundes Deutscher Buchkünstler” in München gewählt, von 1961 bis 1977 führte er den Vorsitz der „Gesellschaft Münchner Bücherfreunde”. Seinen Plan, die Herbert-Post-Presse zu einem Verlag auszubauen, konnte er zwar nicht mehr verwirklichen, doch schuf er im Ruhestand noch eine Vielzahl schriftkünstlerischer Arbeiten. Seine letzte Lehrtätigkeit übte Post 1976 und 1977 bei der von Oskar Kokoschka gegründeten „Salzburger Sommerakademie” aus, wo er Schriftkunst und Typographie unterrichtete. Kurz vor der Sommerakademie 1978, bei der er wieder unterrichten sollte, starb Herbert Post infolge einer Herzschwäche am 9. Juli in seinem Urlaubsort Bayersoien und wurde in Lohhof bei München beigesetzt.

Herbert Post war aber nicht nur einer der wichtigsten deutschen Schriftkünstler des 20. Jahrhunderts, sondern hinterließ auch als Gebrauchsgraphiker und freier Künstler ein reiches Lebenswerk. Aus Platzgründen kann in diesem Aufsatz nur schwerpunktmäßig auf sein Schriftschaffen eingegangen werden.

Die Schriften von Herbert Post

Da ihm für seine Drucke nicht jene Schriften zur Verfügung standen, die ihm vorschwebten, begann Herbert Post, sich mit der Entwicklung von Satzschriften zu befassen. 1932 entwarf er die Großbuchstaben der späteren „Post-Antiqua”, die zunächst einfach „Altschrift” (=Antiqua) hieß, nur in einem Grad gegegossen wurde und vorerst nicht in den Handel kam.

Mit dem Entwurf einer Fraktur, die er im Sommer 1933 begann, reagierte Post auf die Bedürfnisse der Zeit, ohne jedoch seine Grundsätze zu verleugnen. Er strebte eine klare Buch- und Leseschrift an, ohne barocke Schnörkel, aber auch nicht so nüchtern wie die damals zahlreich erschienenen gebrochenen Groteskschriften. Wie seine „Altschrift” fußt auch Posts Fraktur auf dem Federzug mit seinem gesetzmäßigen Wechsel von dünnen und dicken Linien, die er auf seine persönliche Art zu gestalten verstand.

Die Entstehung der „Post-Fraktur”, wie die Schrift später im Handel hieß, zog sich über mehrere Jahre hin und war von einigen Rückschlägen überschattet. Erst als die Schrift 1937 von der Gießerei Berthold übernommen wurde, kam es zu einem zügigen Ausbau der weiteren Grade (6-48p).

Auch der Streit mit Karl Klingspor, der die Post-Fraktur als Nachahmung der gerade bei seiner Gießerei herausgekommenen „Claudius” (von Rudolf Koch) empfand und gegen die vermeintliche Konkurrenz sogar gerichtliche Schritte androhte, konnten schließlich beigelegt werden. Post mußte dazu allerdings mehrere Fürsprecher und Zeugen aufbieten, darunter auch Paul Koch, der ihm die ersten Proben in Stahl geschnitten hatte.

1940 wurde sie durch eine halbfette Garnitur (6-60p) sowie Zierversalien zur Normalen (10-48p) und Halbfetten (8-60p) ergänzt. Die Post-Fraktur blieb bei Berthold auch nach 1941 im Programm und ist heute wieder für Rechner verfügbar (siehe unten).

Parallel zur Fraktur arbeitete Post an den Kleinbuchstaben zu seiner „Altschrift”, die ebenfalls von Berthold übernommen wurde und 1939 als „Post-Antiqua” in allen Graden (6-48p) vorlag. 1940 ergänzte Post seine Antiqua mit einer mageren (6-28p) und 1941 mit einer halbfetten (6-72p) Garnitur. Um 1950 kam noch ein schmalfetter Schnitt als Plakatschrift (6-20 Cicero) hinzu.

Die ausdrucksstarke und unverwechselbare Post-Antiqua war Posts erfolgreichste Schrift und blieb bis in die fünfziger Jahre ein Verkaufsschlager bei der Gießerei Berthold; Post erweiterte sie 1952 noch durch magere, normale (je 6-48p) sowie halbfette (6-72p) griechische Versalien.

1943 wurde die „Post-Kursiv” (6-36p) fertig, die als Auszeichnung zur Post-Antiqua gedacht war, aber auch als eigenständige Schrift verwendet werden konnte.

Die „Post-Mediäval”, bei der im Gegensatz zu seiner serifenlosen Antiqua die schrägen, aus dem Federzug entwickelten Anstriche betont wurden, erschien 1944 in folgenden Garnituren: normal (6-60p), kursiv (6-36p) und halbfett (6-72p). Die Entwicklungen der Nachkriegszeit brachten es mit sich, daß diese formschöne Schrift leider nicht die erwartete Verbreitung fand.

Das Angebot an Zierlinien bei Berthold wurde durch den "Post-Schmuck" erweitert, der ab 1949 erhältlich war.

Dem Bedarf an neuen Werbeschriften kam die „Dynamik” entgegen, eine kraftvoll-eigenwillige Auszeichnungschrift (10-72p), die 1952 auf den Markt kam.

Für die Firma Photo Lettering in Amerika lieferte Post 1954 acht Alphabete (neu davon waren die „Frei bewegte Antiqua”, die „Schmalfette Grotesk”, die „Feder-Kursiv”, die „Eckige Kursiv” und die „Schwung-Kursiv”), die zwar von der dortigen Fachwelt gelobt wurden, über deren tatsächlichen Verkaufserfolg man Post aber im Unklaren ließ.

Die Arbeiten an drei Doppelalphabeten für die Monotype von 1956 bis 1960 standen unter ungünstigen Vorzeichen. Endlose, auch durch technische Änderungen bedingte Verbesserungen zogen die Fertigstellung in die Länge und führten schließlich dazu, daß man die Schriften als zeitlich überholt empfand und nicht in den Vertrieb nahm.

Posts letzte Schrift für Berthold war die „Marcato”, eine serifenlose Schlagzeilenschrift, die 1961 im normalen und 1962 im fetten Schnitt (je 8-60p) vollendet war und für die er noch 1975 einen extrafetten Schnitt für den Fotosatz entwarf.

Neben den hier genannten hat Herbert Post noch mehrere Schriften entworfen oder geplant, die nie verwirklicht worden sind. Albert Windisch hat Posts Schaffen in würdigenden Worten beschrieben: „So hat es auch Herbert Post verstanden, aus Tradition und reichem persönlichen Schriftgefühl Typen von selbständiger Art zu gestalten. Jeder einzelnen Form hat er in der Linienführung, in zarten Biegungen, in der Bestimmtheit der An- und Abstriche den Atem seines Wesens eingehaucht. Revolutinäre Gebärden liegen ihm fern; Post lehnt jedes krampfhafte Andersseinwollen gegenüber guten, historisch gewachsenen Buchstabenbildern ab. Er liebt neben der Wahrung seiner eigenen Note jene anonyme Zurückhaltung, die die Zeilen einer Buchseite in wohltuender Ruhe und stiller Schönheit dahinfließen läßt.”

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