Heft 1/1999 (Folge 129), Seite 203

Scharfe Waffen gegen die „Rechtschreibreform”

 

Der Verein für deutsche Rechtschreibung und Sprachpflege e.V. hat zwei sehr nützliche Hefte herausgegeben: „Unser Kampf gegen die Rechtschreibreform” (Nürnberg, Dezember 1998) versteht sich als Begleitdokumentation zur inzwischen zu großer Bekanntheit gelangten „Wörterliste” (in zehnter Auflage) und gibt Aufschluß über die Tätigkeiten gegen die „Reform”, so z.B. daß bislang insgesamt etwa anderthalb Millionen Bürger dagegen unterschrieben haben und daß von „reformerischer” Seite keine empirischen (erfahrungsmäßigen) Untersuchungen zu der Behauptung, die Reform erleichtere den Kindern das Schreiben, vorgenommen wurden.

Die Initiative „Wir Lehrer gegen die Rechtschreibreform” hingegen prüfte die Tauglichkeit der neuen Regeln. und fand heraus, daß die Zahl der Rechtschreibfehler durch die „Reform” leicht ansteigt. Auch die zehn neuen („reformierten”) Wörterbücher, die allesamt Abweichungen aufweisen, dienen nicht gerade einem ungestörten Unterricht. Ferner finden sich in dem Büchlein die Flugblätter, die bei der Abstimmung in Schleswig-Holstein zum Erfolg führten, und Pressemitteilungen voll von Beweisen für die Mangelhaftigkeit der „Reform”. Auch das Schrifttumsverzeichnis und die Liste der 44 Initiativen und Vereine, die gegen die „Reform” fechten, machen das Büchlein für „Reform”-Gegner zu einer brauchbaren Waffe.

„Die Wörterliste” selbst, zusammengesetzt vom Schriftführer des Vereins für deutsche Rechtschreibung und Sprachpflege e.V., dem Grundschullehrer Stephanus Peil (In den Gärten 5, 56457 Westerberg, Fernruf/-bild 02663-8593), ist unentbehrlich, wenn man, als Gegner oder auch als Befürworter, die Güte der „Reform” zu beurteilen versucht. In der erweiterten zehnten Auflage wird anhand von Tausenden von Beispielen gezeigt, wie unstimmig die geplante Rechtschreibung ist. Warum soll es einerseits eine Erfolg versprechende Maßnahme, aber andererseits eine höchst erfolgversprechende Maßnahme heißen? Wie sollen sich die Schüler das merken? (Und wozu?) Schlimmer noch ist der Bedeutungswirrwarr durch die neuen Schreibungen: Ist eine Fleisch fressende Pflanze eine, die zu dieser Gattung gehört, oder eine, die gerade ein Insekt verspeist? Auch mit den Regeln zur Worttrennung stellen sich die „Reformer” bloß: >Die Tee-nager < klingt einfach mißverständlich und lächerlich, genauso wie >Obst-ruktion.<

Mit diesen Büchlein ist man für jeden Streit mit „Reform”-Befürwortern bestens gewappnet. („Wörterliste” mit Begleitinformation, zusammen 80 Seiten, 8,50 DM / 65 ÖS / 7,50 SFr; günstige Staffelpreise. Zu beziehen beim Verein für deutsche Rechtschreibung und Sprachpflege e.V., Max-Reger-Straße 99, 90571 Schwaig bei Nürnberg.)

Gekürzt und leicht verändert entnommen aus den „Wiener Sprachblättern”, Heft 1/1999.