Heft 4/1999 (Folge132), Seite 282-284

 

Englisch als Konferenzsprache

Auf dem Kongreß „Microengineering 99” in Stuttgart waren von den 80 Teilnehmern wahrscheinlich 99% deutscher bzw. deutschsprachiger Abstammung. Ungeachtet dessen war die Konferenzsprache Englisch und selbstverständlich sprach auch der deutsche „Chair-Mann” englisch.

Das wäre schon Schwachsinn genug, aber es kam noch toller: Einer der Vortragenden gab zu, daß sein Englisch nicht gut wäre und entschuldigte sich dafür, daß er seinen Vortrag in deutsch halten wolle - was er auch dann tat. Eine allgemeine Erleichterung war spürbar, denn endlich konnten wirklich alle alles verstehen. Nach Ende des Vortrages fragte der etwas irritierte Chair-Mann - wieder auf englisch - ob Fragen bestünden. Die erste Wortmeldung kam auf deutsch - die Antwort ebenso. Der zweite Frager sprach wieder englisch. Der Vortragende antwortete nun auch wieder englisch, allerdings so schlecht, daß ihn der Frager nicht verstand.

Wer glaubt, daß hier von einem Kabaretabend berichtet wird, irrt. Hier waren Akademiker unter sich. Und diese „intelligenten” Menschen bemerken überhaupt nicht, daß sie sich wie Idioten benehmen. Würden sie auch noch so handeln, wenn sie wüßten, wie die Briten über die sprachliche Unterwürfigkeit der Deutschen denken? Wahrscheinlich ja, denn die Deutschen sind in dieser Hinsicht ein selten dummes Volk.

Peter Josef Jeuk (Gelesen im Weltnetz unter: http://www.cdu.de/forum)

30 Jahre im Dienste der Druckkunst

Als der Drucker Joachim Liebers vor 30 Jahren seinen eigenen Betrieb in Heidenau gründete, war nicht nur in der DDR der Bleisatz noch allgegenwärtig. Die raschen technischen Veränderungen haben bewirkt, daß heute kaum noch eine Druckerei besteht, wo man ausschließlich mit Blei-Handsatz arbeitet.

Joachim Liebers hat es trotzdem geschafft, in dieser Nische zu überleben. Die weise Beschränkung auf Kleindrucksachen, wo der Bleisatz immer noch konkurrenzfähig ist, gediegene Arbeit bei vernünftigen Preisen und schließlich eine riesige Auswahl an schönen Fraktur- und Antiquaschriften sind das Erfolgsrezept von Meister Liebers.

Die Druckerei Liebers, die auch seit Jahren die Taschenkalender herstellt, die immer der 4. Folge der Zeitschrift beiliegen, ist in diesem Heft mit einem Werbefaltblatt vertreten. Wer schon immer mit einer gediegenen Drucksache geliebäugelt hat, sollte sich den dort gezeigten Schriftenschatz zu Gemüte führen. Sie sind doch auch noch auf der Suche nach einem passenden Weihnachtsgeschenk?

H. Süß

Amtsschimmel soll Klartext wiehern

Im Essener Rathaus soll der Amtsschimmel bald Klartext wiehern. Eine rührige Germanistin setzt sich dafür ein, daß die Zeit der Bürgerferne und unverständlichen Bescheide mit Beginn des Jahres 2000 zu Ende geht. In Lehrgängen wird den Beamten beigebracht, allgemein verständlich zu schreiben und auch zu reden.

„Viele Ämter haben das nötig”, sagt Anette Lepschy, die Leiterin des privaten „Trainingsinstitutes für mündliche und schriftliche Kommunikation” in Münster. So werden gerne unverständliche Hauptwortungetüme verwendet, statt mit kurzen Sätzen und aussagekräftigen Zeitwörtern Klarheit zu schaffen. Statt der „Betreibung eines nach 08.15 fälligen Säumniszuschlages” kann man auch höflich und klar „eine Mahngebühr fordern”, meint die Übungsleiterin.

Viele Beamten haben jedoch Angst, daß sie sich mit zu verständlichen Texten Widersprüche einhandeln. Es wird daher ein allgemeines Umdenken in den Behörden geben müssen, bis die genannten Forderungen wirklich umgesetzt werden können.

Silke Flinsberg

Neuigkeiten über E-Post

Der Schriftleiter hat vor, wichtige Neuigkeiten zu den Themen Schrift und Sprache elektronisch zu übermitteln, wenn die entsprechende Nachfrage besteht. Wer in den Empfängerkreis aufgenommen werden will, melde sich daher bitte gleich beim Schriftleiter unter Angabe seiner technischen Gegebenheiten, damit die Nachrichten nach Möglichkeit auch in Fraktur übermittelt werden können. Netzpost: Schriftleiter@BfdS.de

H. Rösler