Heft 3-4/1998 (Folge 128), Seite 163-164

 

Neu-Bahn-Deutsch

Neulich, am Service-Point, wollte ich fragen, wie es funktioniert mit der CityNightLine. Ob ich vielleicht abends zuvor zum Moonlight-Check-in kommen muß, um meine Koffer am Counter loszuwerden. Ob ich, mich bequemer, moderner Technik bedienend, im Callcenter anrufen kann. Außerdem wollte ich wissen, wie ich mein Bahnbike bekomme am Ziel meiner Träume. Achja: Mein Ticket, selbstverständlich mit BahnCard, wollte ich auch noch kaufen, den Katalog aus dem Bahnshop habe ich auch gleich mitgenommen. Von solch anstrengendem Tun suchte ich Erholung in der DB-Lounge. Ein bißchen verwundert, daß es noch nicht TravellerCenter, CentralStation oder gar GermanRail heißt. Auch TicketSeller fände ich treffend, StopPoint wäre nicht weniger schick, TrainSteward bräche alle Rekorde. Fahrkartenschalter, Nachtschnellzug, Reiseauskunft, Schaffner, Haltepunkt - wer nimmt so schnöde Worte noch in den Mund? fbt (Quelle: Eisenbahn-Kurier 10/98, Seite 11)


Sprachpflege in arabischen Ländern

Ein Ausdruck des starken kulturellen Selbstbewußtseins der arabischen Länder ist die Sprachpolitik, wie sie von der „Akademie der Arabischen Sprache” mit Sitz in der ägyptischen Hauptstadt Kairo geübt wird. Die dortigen Wissenschaftler sehen eine ihrer wichtigsten Aufgaben darin, die arabische Sprache vor der Flut von Fremdwörtern zu schützen und Ausdrücke aus der modernen Wissenschaft und Technik folgerichtig zu arabisieren. Nach Angaben von Mahmud Hafis, dem Vizepräsidenten der Akademie, wurden seit deren Gründung im Jahre 1932 insgesamt fast 150000 Fremdwörter in die arabische Sprache übertragen. So heißt das Motorrad heute „Feuriges Fahrrad”, der Staubsauger „elektrischer Besen” und der Computer „automatischer Rechner”.


Chirac verbittet sich Fragen auf Englisch

Schon vor einer Konferenz französischsprachiger Länder machte Jacques Chirac die Vorliebe für seine Muttersprache deutlich. Der Staatspräsident verbot einem Journalisten, Fragen auf Englisch zu stellen. „Ich würde gerne auf Englisch fragen”, sagte der Reporter auf einer Pressekonferenz in Beirut. Chirac hob ablehnend die Hand, worauf der Journalist dennoch einen neuen Anlauf wagte. „Ist es nicht möglich?” - „Nein, auf Französisch!”, bestand Chirac vor einem Treffen der Frankophonen, an dem er zum Abschluß seines zweitägigen Libanonbesuches teilnahm.


 

Zu viele Anglizismen in der deutschen Sprache

Mehr als die Hälfte der Deutschen hält die Entwicklung der deutschen Sprache für bedenklich. Dieses Ergebnis einer repräsentativen Umfrage teilte das Institut für deutsche Sprache Mitte März dieses Jahres in Mannheim mit. Vor allem die unzähligen Anglizismen störten die Menschen, sagte Institutspräsident Gerhard Stickel. Das Fernsehen und die Schulen hätten nach Meinung der Befragten einen starken Einfluß, Bücher dagegen prägten die Sprache kaum mehr. Erfreulich finden diese Entwicklung nur knapp 5% der Deutschen. Eine Mehrheit wünschte sich eine politisch stärkere Stellung des Deutschen in der Europäischen Union. mehr als zwei Drittel wollen die Mehrsprachigkeit in der EU erhalten sehen, nur 8% wünschen sich eine gemeinsame Europasprache. Bejahend bewerten die Bundesbürger die Dialekte. Zwei Drittel akzeptieren mundartlichen Sprachgebrauch, wobei bayrisch, sächsich, schwäbisch, berlinisch und Platt die höchsten Beliebtheitswerte erreichen. Für die Erhebung hatte das Hamburger GFM-Getas-Institut 2000 Deutsche in den alten und neuen Ländern befragt.