Die deutsche Schrift Heft 60, Frühjahr 1979, S. 16 f.

Als man noch mit dem Gänsekiel schrieb (Auszüge)

 

Eine ausgewachsene Feder hat eine Länge von etwa 30 cm. Für die Hand eines Erwachsenen war diese Länge wohl angängig, für die Kindeshand mußte die Gänsefeder von oben aus etwa 10 cm gekürzt werden. Dabei entstand am oberen Ende der sogenannte Fahnenwinkel.

Die Vorbereitung der Spule

Die erste Arbeit war, daß man der Spule die äußere Haut und das „Oehlichte” (glänzender Überzug) mittelst einer Erwärmung über glühenden Kohlen durch ein stumpfes Messer abstreifte und abnahm. Durch gleichseitiges Streichen, während man die Spule über den genannten Kohlen herumdrehte, wurde der untere Teil des Kieles erstens gehärtet, zum anderen schön gerundet. War dieses erreicht, so machte man mit einem Federmesser am unteren Teil der Spule, und zwar auf der Unterseite der Feder, einen etwa 2 cm langen schrägen Schnitt. Die Seele, das trockene Häutchen, kam zum Vorschein und wurde mit dem Messer oder einem Draht herausgeholt. Nun legte man die Spule auf ein Buchenholzbrettchen (hartes Holz) und machte einen Schnitt durch die vorher entstandene Spitze, so daß diese einen Spalt aufwies. Mit dem scharfen Messer schabte man anschließend auch den freien inneren Teil der Spule, um die Anhangskraft der Tinte (Adhäsion) zu vergrößern. Durch vorsichtiges Schaben auf beiden Seiten der Spitze entstand schließlich die schreibfertige Feder.